Über
Hi, mein Name ist Christian.
Das ist der beliebteste männliche Vorname meines Jahrgangs: 1986. In meiner Grundschulklasse gab es vier oder fünf von uns. Ich glaube, selbst das Mädchen, das sich "Willy" als meinen Spitznamen ausdachte, hieß Christiane.
Danke, Christiane, wenn du das hier liest. Alle anderen Christians in meinem Umfeld hatten das Pech, manchmal, wenn nicht sogar andauernd auf ihren Nachnamen reduziert zu werden, als wären wir beim Militär gewesen und nicht in der Schule. Ich dagegen hatte immer diesen freundlichen, ja lustigen Spitznamen.
"Willy!" steht für mich für die Begeisterung meiner Jugendfreunde, wenn sie mich ankommen sahen (denn ich kam immer schon oft zu spät). Für Freundschaft überhaupt. Für Rückhalt. Wertschätzung. Für das Anfeuern meines Sportlehrers (RIP), der mich direkt auch so nannte, als kennten wir uns persönlich: "Willy!"
Mein bester Schulfreund Marc stellte mich einmal einer seiner Bekannten so vor: "Das ist Willy. Er hat Ahnung." Und manchmal munterte er mich mit dem Scherz auf: "Wo ein Willy ist, ist auch ein Weg." Solche Sprüche von ihm haben mich in meiner Eitelkeit immer sehr gerührt. Aber wovon hatte ich denn Ahnung haben sollen? Er war doch derjenige, der viel von Politik verstand und Geschichtsleistungskurs gewählt hatte und dort sogar seinen Lehrer beeindruckte – nicht ich. Immerhin interessierte ich mich für Philosophie und Literatur und Soziologie. Und fand meine traurigschöne Erwiderung plausibel: "Nur wo ein Weg ist, ist ein Wille."
Einmal fragte mich ein anderer Mitschüler – er hieß Donald und seine Schwester Daisy (kein Scherz!) und er war der Beste unseres Abiturjahrgangs und wollte Raumfahrt studieren: "Willy, warum schreibst du keinen Blog?" Ich habe nie verstanden, wie er auf diese Idee kommen konnte, da wir kaum miteinander sprachen. Ich wusste auch nicht, worüber ich schreiben sollte. Aber seither fand ich die Vorstellung verlockend. Ein Blog. Aber worüber schreiben?
Mittlerweile denke ich: Ich bin in der ehemaligen DDR geboren und habe als erster in meiner Familie studiert. Ich habe mit Auszeichnung in deutscher Literatur promoviert und dann sieben Jahre lang im höheren Bibliotheksdienst gearbeitet, wo ich auf Lebenszeit verbeamtet war. Seit 2024 lebe ich mit meiner Familie in Portugal. Hier forsche und unterrichte ich Studierende in deutscher Sprache, Literatur und Kultur.
Was, wenn jetzt, über zwei Jahrzehnte später, wirklich die Zeit gekommen wäre, einen Blog zu beginnen? Was, wenn ich bereits genügend Weg zurückgelegt hätte, um eine Ahnung davon zu haben, was ich in Zukunft will? Könnte mir das Schreiben nicht helfen, in der "Fremde" anzukommen? Vielleicht könnte es uns helfen, Gespräche (wieder) aufzunehmen.
Das hier ist für meine alten und neuen Freunde, für meine Familie und meine Bekannten – und alle, die es sonst noch interessiert. Willkommen auf meinem Blog!
Aveiro im August 2026
– Willy