Ostdeutsche Jugendliche in Subkulturen der Wendezeit

Der 1964 in Halle geborene Geralf Pochop Punk, seit dieser 1977 über das Radio auch in die Kinderzimmer der DDR schallte, und besuchte 1982 sein erstes Punk-Konzert in der Lutherkirche in Halle, wo Wutanfall und Größenwahn spielten. Pogotanzende Punks im Publikum

Ich hatte Gänsehaut ... Ich war der glücklichste Mensch der Welt ... Das Leben hier war doch lebenswert. (3:xx)

"Untergrund war Strategie. Punk in der DDR" (Verlag Hirnkost 2018)

Jugend-Punk-Pfarrer Siegfried Neher (1944-2021) ab 1982 in der Christuskirche (in dradio-feature, dass das deren Zuhause war, dass sie dort auch die Wände gestrichen haben etc.)

 

 

 

Nach meinem letzten Post über Ostdeutschland habe ich noch zwei tolle Quellen zum Thema Subkultur und DDR/Ostdeutschland zur Wendezeit gefunden, die ich sehr empfehlenswert finde. 

Erstens, drei Leipzig-Filme von Andreas Voigt, die man in der Mediathek der Bundeszentrale für politische Bildung ansehen kann, zumindest in Deutschland ist das frei zugänglich (Dank an Peter für den logistischen Support!). Ich fand die alle total sehenswert. Am stärksten fand ich aber Glaube Liebe Hoffnung (1993).

Filmstill aus Andreas Voigts Dokumentarfilm „Glaube, Liebe, Hoffnung“

Darin kommen radikale, vor allem rechtsextreme Jugendliche in Leipzig nach der Wende zu Wort. Im Falle von Sven (oben im Bild) litt er Gewalt in der Familie, kam ins Kinderheim, ist arbeitslos, widerwillig sich an die bürgerliche Gesellschaft anzupassen, repräsentiert durch seine Polizisteneltern. Hass auf den Staat. Voigt schneidet in die Perspektivlosigkeit der Jugendlichen unter anderem auch einen westdeutschen Investor mit rein, der mit dem Privatjet kommt, um den Auerbachs Keller einzuweihen, sein neuestes Objekt.

Mich rührt vor allem der Respekt, den Voigt den jungen Männern entgegenbringt, die doch ihr ganzes Leben noch vor sich haben. Sein aufrichtiges Interesse am Gegenüber, egal ob links oder rechts. Nur dadurch konnte er ja offenbar das Vertrauen der jungen Leute gewinnen. Ok, der stramme Nazi in U-Haft hätte vielleicht jedem ein Interview gegeben, so schambefreit, wie der ist. Aber Voigt hat es eben tatsächlich geführt und nur dadurch haben wir heute diese Dokumentation.

Die andere Quelle, die ich empfehlen will, ist ein Beitrag von Deutschlandfunk Kultur aus dem Jahr 2019 mit dem Titel Und Gott bekam den Blues. Kirchen und der musikalische Widerstand in der DDR